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Kimono Formalitätsstufen

Aktualisiert: 27. Mai

Wie im letzten Beitrag schon kurz angerissen, soll es heute um die unterschiedlichen Formalitätsstufen von Kimonos gehen. Dafür greife ich auf die visuellen Grafiken der Seite Motoji zurück, welche über sehr detaillierte Beschreibungen und wundervolle Gegenüberstellungen verfügt.

 

Japan ist ein Land der Regeln, ähnlich wie Deutschland, nur, dass sich hier unabgesprochen auch an die vorhandenen Regeln gehalten wird. Japan ist eine Gesellschaft, in welche sehr viel Wert auf Harmonie und Vernunft gelegt wird. Von dieser Selbstverständlichkeit lebt auch die Kimono-Welt. Das Wissen um Formalität, Farben und Muster wurde bisher von Mutter an Tochter weitergegeben. Mit der Modernisierung ging jedoch viel an Wissen verloren, das Interesse schwand und viele Japanerinnen und Japaner haben heute kaum noch eine Verbindung zu diesem Teil der Kultur. Deshalb finde ich es umso wichtiger, das Wissen, was zu finden ist, zu bündeln und mit der Welt zu teilen, damit auch nachfolgende Generationen von diesem Wissen profitieren können.


Bei Gesprächen mit Freunden stelle ich immer wieder fest, wie viel Halbwissen im Internet kursiert und wie viele Menschen, welche sich respektvoll gegenüber der japanischen Kultur verhalten möchten, auf falsche Wege geführt werden.


Dies ist einer der Gründe, warum es mir am Herzen liegt, einfach verständliche und RICHTIGE Informationen zu verbreiten.


 

Doch kommen wir nun zum Hauptthema "Formalitäten in der Kimonowelt".


Die formelle Reihenfolge der Kimonos kann wie folgt aufgelistet werden und unter der Auflistung von links nach rechts zu sehen sind:


  1. Formelle Kimono:


  1. Kuro-Montsuki/Kuro-Tomesode

  2. Iro-tomesode

  3. Furisode

  4. Beerdigungen = komplett schwarzes Attire mit Familienwappen (mon)


2. Semi-formelle Kimono:


  1. Houmongi

  2. Tsukesage

  3. Iromuji


3. Casual Kimono


4. Yukata




 

Formelle Kimono


In den verschiedensten Szenarien, angefangen bei Hochzeiten bis hin zu feierlichen Anlässen wie Verleihungszeremonien, spielt die Kleidung eine bedeutende Rolle.


Männer präsentieren sich im Kuro-Montsuki, einem schwarzen Kimono mit Wappen, begleitet von einem Haori (Jacke) und Hakama (Pluderhose). Diese Kombination schmückt Bräutigame, Väter des Brautpaars und andere angesehene Verwandte. Frauen hingegen wählen den Kuro-tomesode, einen schwarzen formellen Kimono mit Wappen, dessen Muster unterhalb des Knies erscheinen. Diese elegante Wahl steht den Müttern des Brautpaars sowie anderen verheirateten Verwandten zu. Für die Gäste sind Kimonos wie Iro-tomesode, ein farbiger formeller Kimono mit Wappen gedacht, welcher die verheirateten Gäste schmückt, während der Furisode mit seinen langen Ärmeln die Unverheirateten unter ihnen in den Mittelpunkt stellt.


Auch in traurigen Momenten, wie Beerdigungen, spielt die Kleidung eine bedeutende Rolle. Männer tragen hierbei schwarze Kimonos, Haoris und Hakamas als Ausdruck ihrer Ehrerbietung. Frauen kleiden sich ebenfalls in schwarze Kimonos mit Wappen, als Zeichen der Trauer und des Respekts. Allerdings können je nach persönlicher Beziehung zum Verstorbenen und regionalen Gepflogenheiten subtile Unterschiede auftreten.

Die verstorbene Person selbst wird in einen komplett weißen Kimono gekleidet, damit sie ohne Anhaftungen in den nächsten Lebenszyklus übergehen kann.


Die japanischen Jahreszeiten bestimmen auch die Wahl des Stoffes selbst. Von Oktober bis Mai werden gefütterte Kimonos (Awase-Kimono) bevorzugt, die Wärme und Luxus versprechen. Im Juni und September hingegen werden ungefütterte Kimonos (Hitoe) bevorzugt, die eine willkommene Abkühlung bieten. Im Juli und August sind die leichten, transparenten Kimonos (Natsumono) zu finden, die trotz der Hitze für angenehmen Tragekomfort sorgen.


 

Semi-Formelle Kimono


Feiern, Jubiläen, Abschluss- und Graduierungsfeiern, halbformelle Firmenveranstaltungen, Dinnerpartys und die Unterhaltung von Gästen sind für Semi-Formelle Kimonos ein passender Anlass.


Männer tragen Kimonos und Haoris in schlichten Farben und können die formelle Ausstrahlung des Outfits erhöhen, wenn sie zusätzlich einen Hakama tragen.


Frauen haben bei halbformalen Anlässen die Wahl zwischen drei Haupttypen von Kimonos. Sie sind nach ihrer Formalität aufgelistet: 1. Houmongi (gemusterter Kimono, bei dem das Muster über die Nähte fließt), 2. Tsukesage (gemusterter Kimono, bei dem das Muster nicht über die Nähte fließt) und 3. Iromuji (einfarbiger Kimono oder extrem klein gemusterter Kimono). Die angemessene Wahl hängt von Ihrer Position und der Region ab. Ein Familienwappen auf Schulter oder Ärmel erhöht die Formalität des Gewandes.


 

Alltagskimonos


Der Alltag bietet zahlreiche Gelegenheiten, sei es zum Einkaufen, für Verabredungen oder einen Besuch im Museum.

Bei der Wahl des Materials stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter Seide, Wolle, Baumwolle, Leinen und andere natürliche Fasern. Während reine Seidenstoffe Standard für formelle Anlässe sind, können für informelle Gelegenheiten auch andere Materialien getragen werden. Einige bevorzugen sogar Synthetik wie Polyester aufgrund seiner leichten Pflegeeigenschaften.


Die Art des Kimonos variiert je nach persönlichem Geschmack und der Situation. Neben dem Kimono können auch das Haori und der Hakama je nach Vorlieben, Ort und Temperatur getragen werden, sind jedoch in informellen Situationen nicht unbedingt erforderlich.


 

Yukata


Die Sommerzeit bringt eine Fülle von Veranstaltungen mit sich, von Festivals über Feuerwerke bis hin zum gemütlichen Beisammensein zu Hause.


Für diese Gelegenheiten sind leichte Stoffe wie Baumwolle und Leinen ideal. Die Yukata, ein Sommerkimono aus Baumwolle oder Leinen, ist sowohl für Männer als auch Frauen die perfekte Wahl. Er wird bei lockeren Sommerfestivals und zu Hause wie ein Morgenmantel getragen. Yukatas sind oft mit lebhaften Mustern verziert und ähneln eher einem T-Shirt und Shorts oder einem luftigen Sommerkleid mit Sandalen. Im Gegensatz zu anderen Kimonos wird unter dem Yukata kein Nagajuban, also ein Unterkimono, getragen, sondern meistens nur ein leichtes Unterkleid.

Viele Männer tragen heute weniger Yukata und eher Jinbei, welche aus einer kurzen Hose und einem Wickelshirt bestehen, welche aus luftiger Baumwolle oder Leinen sind.


 

Außerhalb Japans gibt es keine strikten Regeln bezüglich der Kimono-Wahl für verschiedene Jahreszeiten und Veranstaltungen, wie sie im traditionellen japanischen Kimono-Kanon festgelegt sind. Viele junge Menschen haben außerdem das Bedürfnis, ihre eigene Kreativität und den neuen Zeitgeist über die Art und Weise, wie sie einen Kimono tragen, auszudrücken und die bestehenden Regeln zu lockern.

Dennoch sollte man bei formellen Anlässen nicht nur für sich selbst, sondern auch für die anderen Gäste und Gastgeber gekleidet sein. In solchen Momenten ist es ratsam, sich an die Regeln des traditionellen Kimono-Kanons zu halten.


Alle Informationen stehen im Original auf der Webseite Motoji in englischer Sprache zum Nachlesen zur Verfügung. Wenn ihr weitere Fragen habt oder euch etwas unklar ist, schreibt mir einen Kommentar unter den Post und ich werde die Informationen nach bestem Wissen und Gewissen einfügen.

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