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Qarantäne und eine neue Familie

Aktualisiert: 6. Sept. 2022

Mein letzter Eintrag endete mit meinem Eintreten in den Flughafen in Frankfurt am Main. Ab da ging es für mich für anderthalb Stunden in die Luft nach London Heathrow. Dort durfte ich durch einen etwas Endzeit anmutenden, leeren Flughafen wandeln und hatte erste Berührungen mit Englisch und japanisch bei der Ticketausstellung für meinen Flug nach Tokyo. Ab da hieß es dann 2 Stunden warten und dann rein in den Flieger nach Tokyo. Durch die, zu diesem Zeitpunkt herrschende Ukrainekrise, war es den japanischen Flugzeugen nicht erlaubt über Russland zu fliegen. Wir nahmen also die Nord-Route über den Nordpol und Alaska. Ich hatte ein wenig die Hoffnung Nordlichter betrachten zu können, musste jedoch feststellen, dass es durch die Erddrehung und unsere Flugrichtung immer Tag hell war. Also keine Nordlichter für Tanja. Vielleicht warten die ja in Hokkaido auf mich.



In Tokyo gelandet, nach 16 Stunden Flug begann die Corona-Testschleifen Odyssee.

Raus aus dem Flieger, rein in das Einbahnstraßen-System:


PCR-Registration, Versicherungsschreiben der Sprachschule und Einverständniserklärung in einer App hochladen und den QR-Code immer wieder vorzeigen.

  1. Dokumente mit Informationen abholen

  2. Unterschriften leisten

  3. Noch mehr Dokumente einsammeln und Belehrungen anhören.

  4. Corona Spucktest

  5. 30 Min auf das Ergebnis warten

  6. Negatives Ergebnis abholen

  7. Den ganzen Weg zurücklaufen und immer wieder den rosa Zettel vorzeigen

  8. Bei der Einreiseregistrierung ankommen

und eigentlich nur Reisepass vorzeigen, PCR-Testergebnis aus Deutschland vorzeigen und Immigration Card bekommen.... Aber so einfach sollte es dann doch nicht sein.

(Bis hier hin waren 2 Stunden vergangen und ich war seit über 24h wach.)



Der nette Herr hinter dem Schalter kam nicht mit der Tatsache zurecht, dass ich mein PCR-Testergebnis aus Deutschland nur als PDF auf meinem Handy vorliegen hatte und nicht in Papierform ausgedruckt. Des Weiteren stelle sich die Frage, ob ich für mein Studentenvisum eine Arbeitserlaubnis haben wolle. Letzteres bejahte ich und wurde nach einigem Hin und Her von einer freundlichen Dame abgeholt, die mich, samt all meiner bis dahin angesammelten Dokumente, mitnahm. Ich durfte mein PCR-Testergebnis per Mail an den Flughafen schicken, damit diese sich das Dokument ausdrucken konnten. Zwei weitere Dokumente ausgefüllt und einen Stempel erhaltend, wurde ich nach weiteren 40 min Wartezeit endlich aus dem Wirrwarr der japanischen Bürokratie entlassen! Nachdem ich meine Koffer geholt und meinen Taxifahrer gefunden hatte, ging es für mich ins Quarantäne-Hotel. Acht Nächte durfte ich im Zentrum Tokyos in einem recht gemütlichen Zimmer verbringen. Essen wurde mit Uber Eats organisiert und ich hatte ausreichend Zeit, um anzukommen. In dieser einen Woche hatte ich weiterhin normalen Unterricht und diesmal aber zu humanen Zeiten von 9:10-12:40 Uhr. Außerdem durfte ich an einem Online-Symposium des Deutschen Salons in Gunma teilnehmen und in einem 40-minütigen Vortrag meine Heimatstadt vorstellen. Eine sehr einprägsame Erfahrung und neue wertvolle Kontakte.



Während meiner Quarantänezeit wurde ich von einem kleinen Erdbeben willkommen geheißen, was eine etwas komische Erfahrung war, da ich weder Panik verspürte noch erschrocken war. Ich hatte eher ein wenig das Gefühl, dass ich etwas in dieser Art vermisst habe. Irgendwie hat es sich nach Heimat angefühlt, auch wenn das eine etwas ungewöhnliche Beschreibung ist, da man Naturkatastrophen, zu denen Erdbeben nun mal gehören, eigentlich nicht vermissen sollte.


Endlich Freiheit!


Nach einer Woche ist es endlich so weit! Ich darf das Hotel verlassen und zu meiner Gastfamilie umziehen! Meine Güte, bin ich aufgeregt! Bis auf die Namen und das Alter der einzelnen Familienmitglieder weiß ich nichts über die Menschen, mit denen ich die nächsten 9 Monate zusammenlebe. Ich werde von einer sehr freundlichen Freelancerin namens Stefanie am Hotel abgeholt, welche mich zu meiner Gastfamilie begleiten soll. Sie hilft mir, meine Pendler-Bahnkarte für meine Fahrten zur Sprachschule und wieder nach Hause zu kaufen und mich und meine Koffer, sicher nach Funabashi zu bringen. Am Bahnhof angekommen wartet meine Gastmutti schon auf mich und ich verabschiede mich von Stefanie. Ab jetzt findet jegliche Konversation auf Japanisch statt!! Sie erklärt mir, dass Wakana, ihre 6 Jahre alte Tochter, gerade noch beim Schwimmtraining ist und wir sie gemeinsam abholen. Masako (meine Gastmama) ist überrascht, dass ich schon so gut Japanisch kann und wir unterhalten uns ein wenig über mich, meine Herkunft und warum ich in Japan bin. Ich erzähle ihr von meinen Ryokan-Plänen und kann ihr immer wieder die Überraschung aus dem Gesicht ablesen. Nachdem Wakana mit dem Schwimmunterricht fertig ist, findet auch hier die erste, zaghafte Begegnung statt. Sie ist ein aufgewecktes und freundliches Mädchen, die wenig Berührungsängste hat. Nach ein paar Minuten des Beschnupperns bin ich akzeptiert und angenommen. Zu Hause ankommen beziehe ich das Zimmer, welches mir zur Verfügung gestellt wird. Beim Abendessen lerne ich dann Tokiyoshi kennen. Er ist 9 Jahre alt und geht in die dritte Klasse. Auch er ist aufgeschlossen und schon nach wenigen Minuten hat auch er seine anfängliche Schüchternheit abgelegt. Gegen 20:00 bin ich in meinem Zimmer verschwunden und liege geduscht und sauber in meinem neuen Bett! Was für ein unglaublich tolles Gefühl! Ich bin einfach nur glücklich und versuche dieses Gefühl so gut es geht in mich aufzusaugen. Morgen geht es zum ersten Mal in die Schule. Noch ein Unterricht, sondern nur mein Abschlusstest des letzten Trimesters und Informationen abholen. Aber das soll es für heute erst einmal sein. Bis zum nächsten Eintrag. :D





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