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Neue Wege...

Aktualisiert: 15. Feb. 2023

Neue Wege gilt es zu gehen und nicht nur von Ihnen zu träumen.


Ich bin immer wieder davon überwältigt, wie das Leben die passenden Momente kennt, um dich an eine neue Weggabelung zu stellen. Denn genau an dieser Stelle bin ich gerade wieder. Das Leben fragt: Was willst du wirklich? Wer bist du wirklich? Wo möchtest du sein und wie möchtest du leben? Bist du glücklich? Oder fühlst du dich nur sicher?

 

Der September endete für mich mit drei wunderbaren Wochen, in denen ich etwas zur Ruhe und zu mir kommen konnte. Keine Schule, viele Tage in der Touristeninformation, eine Reise nach Nagano mit meiner Familie und einen Tag an der Ostküste Chiba's. Gerade die letzten beiden Ereignisse zeigten mir wieder, wie sehr ich die Natur vermisse, wenn ich hier in Tokyo lebe.



Die Reise nach Nagano und auch der Tag am Meer, auf der anderen Seite der Halbinsel von Chiba, haben meinen Fokus auf die Ereignisse in meinem Dasein hier in Japan stark beeinflusst. Ich begann mich mit der Frage zu beschäftigen, was mich im Moment so unzufrieden sein lässt. Was meinen Körper dazu bringt, "die Nase voll" zu haben.


Als letzte Woche nun die Schule wieder begann, zeigte mir das Leben die Antwort auf all die Fragen, indem es mir eine Möglichkeit gab, mich auf einen Ryokan-Job zu bewerben.


Einige von euch werden sich daran erinnern, dass dies der eigentliche Plan war, mit welchem ich nach Japan kam. Wir Menschen neigen jedoch dazu, wenn es zu bequem wird, unsere Ziele schleifen zu lassen und die Sicherheit vor dem Wachstum zu bevorzugen. Ich hatte mir einen Plan gemacht und wollte diesen natürlich auch befolgen. Dieser Plan beinhaltete bis nächstes Jahr August in der Touristeninfo zu arbeiten, dann einen Monat mit einer Freundin in Hokkaido zu verbringen und mir danach ein Ryokan zu suchen. Doch das Leben ist der Meinung, dass genau jetzt der richtige Moment für eine Veränderung ist. Dass genau jetzt die Umstände günstig sind, um weiterzugehen und die Komfortzone zu verlassen. Und ich folge diesem Ruf.


Heute hatte ich mein erstes Gespräch mit der Arbeitsvermittlung, über welche meine Schule das Stellenangebot erhalten hatte. Das Gespräch lief erstaunlich gut und mir wurden viele hilfreiche Tipps für Bewerbungsgespräche in der Zukunft gegeben.


Von dem Ryokan hörte ich leider nicht noch einmal etwas, doch ich nutzte den Schwung, welchen mir dieses Ereignis mitgegeben hatte, um mich nach anderen Jobangeboten umzuschauen. Ich fand eine Seite, welche sich auf die Vermittlung von Hotel-Stellen spezialisiert haben. Dort begann ich mich Anfang Oktober umzuschauen und auf Job's zu bewerben. Von insgesamt 15 verschickten Bewerbungen bekam ich von 5 Ryokan's eine Einladung für Bewerbungsgespräche. Vier davon online und eines, in Kanagawa, einer Nachbarpräfektur von Tokyo, vor Ort.


Die Gespräche wurden alle auf Japanisch geführt, und ich bin noch immer sehr, sehr stolz auf mich, wie ich das gemeistert habe! Während den Gesprächen kam immer wieder die Frage auf, wie lange ich vorhabe in Japan zu arbeiten. Das brachte auch mich zum Nachdenken und ich beantwortete die Frage in den meisten Fällen vage mit "So lange wie möglich."


Das erste Interview hatte ich mit einem renommierten Ryokan in Matsuyama, auf der Insel Shikoku. Eine wundervolle Kleinstadt, welche mit ihrem alten Charme einen ganz besonderen Zauber hat. Hier kam jedoch nach dem Interview eine Absage, da mein Japanisch für die Ansprüche des Hotels nicht gut genug schienen.


Das zweite Interview führte mich nach Kanagawa. Genauer in eine Kleinstadt namens Yugawara. Eine Onsen-Stadt, welche für ihre heißen Quellen, gerade unter den Japanern sehr beliebt ist. Die Fahrt dort hin dauerte von Tokyo zwei Stunden und stellte meine viel zu schnell laufenden Uhren ein paar Stunden zurück.

Am kleinen Bahnhof angekommen, wehte mir eine leichte Meeres-Briese entgegen und der verwaschene Geruch von Mineralquellen. Es war ruhig und bis auf die Durchsage am Bahnsteig und ein paar vereinzelte Stimme, war nichts zu hören.

Ich wurde von Herrn Nishioka abgeholt und wir fuhren gemeinsam zum Ryokan. Auf dem Weg durch die verwunschenen Gassen des Ortes erzählte er mir ein bisschen was über sich selbst, die Stadt Yugawara und das Hotel, auf dessen Stelle ich mich beworben hatte.

Die Straßen wurden immer steiler, die Berge immer grüner und dann fuhren wir eine kleine Einfahrt hinunter, an deren Ende mich ein magischer Ort erwartete.

Gelegen an einem rauschenden Bach, ein hellbraunes Haus, zu welchem sich ein leicht geschlungener Weg windet. Umrandet von alten Bäumen, dünnem Bambus und dem Geruch von Zedernholz.


Ich war im Himmel angekommen. Beziehungsweise auf den weißen Wolken. Denn das ist der Name des Ryokans. 白雲荘 Hakuunsou. Bestehend auf den Kanji für Weiß, Wolke und Villa.


Unter dem creme-weißen Vorhang hindurchgetaucht, öffneten sich vor meinen Augen zwei hölzerne Schiebetüren und mich empfing ein Geruch, welcher sich einfach nach zu Hause anfühlte. Ich kann bis heute nicht beschreiben oder benennen, warum.

 

Das Bewerbungsgespräch selbst verlief unerwartet entspannt. Es war fast schon eher eine Einführung in die Arbeit im Ryokan selbst, als das nur mir als Bewerberin Fragen gestellt wurden. Herr Nishioka erzählte mir von der Philosophie, den Arbeitsabläufen, zeigte mir die Räumlichkeiten und stellte mich den aktuellen Mitarbeitern vor.


Am Ende meines dreistündigen Aufenthaltes, erklärte er mir, dass die Entscheidung, ob ich in Hakunso arbeiten möchte, ganz bei mir liegt. Er habe den Eindruck, dass ich sehr gut ins Team passen würde und möchte mir nun die Entscheidung überlassen, ob ich a zweiten Gespräch mit der Geschäftsleitung teilnehmen und mich damit für den Job qualifizieren möchte, oder nicht.

Für ihn ist es von sehr großer Bedeutung, dass die Menschen oder zukünftigen Mitarbeiter aus Eigenantrieb weitergehen möchten und sich damit natürlich auch ganzheitlich für das Hotel einsetzen.


Gleich am nächsten Tag schrieb ich ihm meine Mail mit meiner Zusage und meinen Terminvorschlägen für das Gespräch mit der Geschäftsleitung.

 

Danke, dass du bis hier dabeigeblieben bist und gelesen hast. Das bedeutet mir wirklich viel. Ich hoffe, ich konnte dir einen kleinen Einblick in die Entwicklungen hier in Japan geben und halte dich natürlich auch weiterhin auf dem Laufenden.


Im nächsten Beitrag geht es um meinen Schulabschluss, das Visa-Dilemma und meine Vorbereitung auf einen ganz besonderen Contest!

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