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Rekapitulation 2023 - Teil 2

Teil zwei. Wo hatten wir aufgehört... Ach ja, ich hatte eine Wohnung in Kyoto gefunden und mein Visum für meine neue Anstellung beantragt. Jetzt musste ich noch meiner Chefin und meinen Kollegen mitteilen, dass ich zum Ende es Jahres aufhören würde im Ryokan zu arbeiten. Wirklich kein einfacher Schritt, da mir all diese Menschen, trotz ihrer Stärken und Schwächen, noch immer sehr am Herzen liegen.

Wie ihr wisse, gab es im Ryokan einmal im Monat ein Gespräch zwischen unserer Chefin und den Angestellten. Einzeln, unter vier Augen, damit man auch wirklich frei sprechen konnte. Diese Chance nutzte ich, um meiner Vorgesetzten von meinem Vorhaben zu erzählen. Ich wusste, dass sie nicht begeistert sein würde und genau deshalb kostete es mich sehr viel Kraft und Selbstliebe, diesen Schritt zu gehen.

Sie versuchte mich zu überzeugen, doch wenigstens bis Januar zu bleiben, oder doch noch einmal darüber nachzudenken, man könnte ja über alles reden. Doch für mich waren die Arbeitsumstände einfach nicht passend. Der Hauptauslöser, oder der Tropfen, welcher das eh schon sehr volle Fass zum Überlaufen brachte, war der Fakt, dass ich keinen meiner wenigen bezahlten Urlaubstage um Weihnachten herum, wenn Chris nach Japan kam, hätte nutzen können. In den Firmenregeln steht geschrieben, das im November und im Dezember kein bezahlter Urlaub genommen werden darf. Und da wurde auch für mich keine Ausnahme gemacht. Ich hatte lang genug im Voraus (August) angekündigt, das ich dort bezahlten Urlaub nehmen möchte, da mein Partner nach Japan kommt. Zu diesem Zeitpunkt (August) wurde mir noch gesagt, dass es eventuell möglich sei und man bestimmt eine Lösung finden könne. Doch je weiter das Jahr fortschritt, desto schwieriger wurde es und desto unmöglicher erschien es, das ich überhaupt zwei Tage am Stück freibekam. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie viel Frustration und Unmut das hervorruft, wenn einem in Aussicht gestellt wird, dass man mit seinem Partner, welchen man ein gutes Jahr nicht gesehen hat, kaum Zeit verbringen, geschweige denn in den Urlaub fahren kann.

Diese Aussage, dass ich keinen bezahlten Urlaub nehmen kann, brachte das Fass zum Überlaufen und gab mir einmal mehr Bestätigung in meinem Vorhaben meine Anstellung in genau dieser Firma zu beenden.



Doch für mich, als Ausländerin, hängt an so einem Beruf mehr als nur Geld und eine Krankenversicherung. Mein Aufenthaltstitel, sowie meine Arbeitserlaubnis hängen an solchen Anstellungen. Doch ich bin sehr dankbar, dass mir daraus kein Strick gedreht wurde. Meine Chefin bedauerte immer wieder meine Entscheidung und merkte jedoch schnell, dass sie mich nicht umstimmen konnte. Meine Wahl, welche ich ihr gab, war entweder, dass ich meinen bezahlten Urlaub nehmen konnte, oder, dass ich die Firma verlassen würde, da mir meine Partnerschaft wichtiger ist, als eine Anstellung.

Und da wir auf keinen gemeinsamen Nenner kamen, reichte ich Anfang Dezember meine Kündigung ein.


Mitte Dezember, um genau zu sein am 13.12.2023 landete Chris in Japan. 10 Monate waren vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen hatten und die Freude war natürlich grenzenlos. Jetzt hieß es für mich noch sieben Tage auf der Arbeit durchhalten und dann in den wohlverdienten Urlaub nach Okinawa fliegen. Doch das hatte ich mir schöner vorgestellt, als es dann am Ende werden sollte.


Nach drei Tagen Arbeit hatte ich starke Erkältungssymptome und Fieber. Ich begab mich zum Krankenhaus in Yugawara und ließ abklären, ob es nur eine einfache Erkältung oder COVID war. Es stellte sich heraus, dass es eine Grippe war und dazu noch eine sehr hartnäckige. Ich bekam Medikamente verschrieben und konnte dadurch meine letzten Arbeitstage natürlich nicht wahrnehmen. Nun lag der Fokus darauf, das ich bis Okinawa wieder gesund wurde, denn dort wartete eine Überraschung auf mich, für welche ich gesund sein musste, wie Chris sagte.


Nach drei Tagen Bett, Fieber und Suppe, welche Chris liebevoll zubereitet hatte, ging es mir so weit besser, das wir nach Okinawa fliegen konnten. Die Überraschung sollte ein Tauchgang sein. Für mich, die sich im Meer nicht besonders wohlfühlt, sowohl mental als auch physisch eine Herausforderung. Doch sie sollte sich lohnen.

Begrüßt wurden wir vom Flieger aus vom Berg Mt. Fuji, welcher uns einen guten Flug und eine erlebnisreiche Reise wünschte.



Angekommen in Okinawa spielte das Wetter nicht wirklich auf unserer Seite. Es war windig und bewölkt und der Fakt, das wir Dezember hatten, machte es temperaturtechnisch auch nicht wirklich angenehmer. Doch das Wasser war warm und wir sollten mit vielen Fischen und wunderschönen Korallen belohnt werden.


Ja, Chris hatte nicht zu viel versprochen. Die Überraschung, welche mich unter Wasser erwartete, war jedoch noch größer, als das Erlebnis "Tauchgang" selbst.


Als wir zum ersten Tauchgang im Wasser verschwanden, hatte ich noch etwas mit Panik und dem Atmen selbst zu tun. Wenn man die im Alltag immer nur durch die Nase atmet und dann auf einmal nur noch durch den Mund armen darf, dann ist das schon eine Herausforderung. Ich war als so mit mir und meinem Gerät beschäftigt, dass ich das Panorama, welches sich vor mir ausbreitete, noch gar nicht wirklich genießen konnte. Nachdem ich mich etwas eingependelt hatte, entdeckte ich auf dem Boden ein aus Korallen und Steinen gelegtes, großes Herz. Mein erster Gedanke war: Wow! Wie schön! Da hat sich jemand wirklich Mühe gegeben.

Ich tauchte darüber hinweg und dann noch einmal zurück, um es auch Chris zu zeigen. Der bedeutete mir dann, dass ich doch mal in das Herz einen gehen solle. Verwirrt sah ich ihn an und in meinem Kopf machte sich der Gedanke des Warum groß. Es war schließlich niemand da, der ein Foto hätte machen können. Also ging Chris in das Herz hinein und bedeutete mir zu ihm zu kommen. Noch immer verwirrt folgte ich seinen Anweisungen und dachte mir innerlich: Wenn er mir jetzt einen Antrag macht, dann lache ich. (So gut das unter Wasser halt geht.) Und tatsächlich fing er auf einmal an, an einer Tasche an der Seite seines Beines herumzuhantieren. In mir stiegen Gedankenblasen auf. "Macht er nicht. Macht er nicht. Macht er nicht." Und doch, um euch die Spannung zu nehmen, er machte es.

Als Erstes hielt er einen Zettel hoch, auf welchem stand: "Vielen Dank für den Tee." als Anspielung auf die Teezeremonie, welche ich für ihn direkt nach seiner Ankunft gehalten hatte und dann holte er einen zweiten Zettel heraus, auf welchem die eine Frage stand. "Willst du mich heiraten." und JA! Natürlich. Nur konnte ich das Unterwasser nur mit einem nicken beantworten. Und dann kam etwas, was nur Chris zustande bringen konnte. Ein Pokéball als Ringbox und den Ring noch mit einer Angelschnur am Ball befestigt, damit er unter Wasser nicht abhauen kann.


An alle Mädels da draußen sucht euch einen Mann wie ihn und ihr werdet ein Leben voll mit Erinnerungen und wundervollen Momenten haben.


Danach lief die Zeit irgendwie anders. Langsamer, intensiver, entspannter. Wir gingen am Abend schick essen und die nächsten Tage waren gefüllt mit Ausflügen mit dem Auto rund um Okinawa und einem Besuch in einem von Japans größten Aquarien.


 

Nachdem wir es mit einigen Herausforderungen wieder auf die Hauptinsel Japans geschafft hatten, ging es nun an die nächste Herausforderung. Den Inhalt meines Zimmers im Ryokan nach Kyoto in die neue Wohnung zu bringen. Ich hatte uns dafür einen Toyota Corolla in Atami über "Toyota - Rent a Car" gemietet, da ich davon ausging, das ich ja nicht soooo viel Zeug hatte....... Wie sich dann beim Einräumen herausstellte, hatte sich über das letzte Jahr doch so einiges angesammelt. Also war es an mir, die Kartons und Taschen aus meinem Zimmer zum Auto zu bringen und Chris bemühte sich, alles irgendwie in das kleine Auto zu bekommen. An dieser Stelle muss ich anmerken, das er es an dieser Stelle verdient hat, Tetris Meister genannt zu werden. Ich habe bis heute absolut keinen blassen Schimmer, wie er all meine Sachen in das Auto bekommen hat. Doch ich bin ihm umso dankbarer, dass er diese Herausforderung angenommen und gemeistert hat, ohne auch nur einmal zu meckern.


Danach lagen sechs Stunden Autofahrt vor uns, welche ebenfalls vom Mt. Fuji begleitet wurden. Zwei Pausen und ein Stau kurz vor dem Ende später, erreichten wir die Wohnungsagentur, bei welcher ich den Schlüssel für die Wohnung holte. Schlüssel und anderen Papierkram übergeben und weiter ging es zur Wohnung. Wir hatten noch 2 Stunden, bis ich das Auto wieder vollgetankt abgegeben haben musste. Also hieß es nun für Chris Beine hoch und sich nach der langen Fahrt um seine belastete Wirbelsäule kümmern und für mich hieß es: "Lieber Arme brechen als zweimal laufen" und das Auto ausräumen! Nachdem alles, mehr oder minder ordentlich in der Wohnung war, brachte ich das Auto zur Vermietung und es war wieder ein großer Schritt in meinem Leben und auf meinem Weg zu meinem Traum getan.


 

Wenn ich so über alles, was in den letzten Monaten geschehen ist, nachdenke, fühle ich mich irgendwie klein im Gegensatz zu allem, was ich erreicht und erlebt habe!

Ich bin dankbar für all die Menschen, welche mir in dieser Zeit begegnet sind und für all die Erfahrungen, die ich machen durfte. Ich bin dankbar für all die Höhen und Tiefen, die blumigen und die grauen Tage, denn sie haben mir gezeigt, dass das Leben weiter geht und das es richtig gut werden kann, wenn man einfach auf seine Füße vertraut und nicht so viel über die Richtung oder den Weg nachdenkt.

Danke, an alle Menschen, Freunde, Kollegen, Wegbegleiter und Lehrer, welche mich seit meiner Ankunft vor bald zwei Jahren, hier in Japan begleitet haben. Ihr halft und helft mir noch immer zu wachsen und meinen Traum zu verfolgen.

Danke!


 

Kleines Nachwort:

Einige Bilder, welche hier in dem Blogeintrag zu finden sind, können käuflich erworben werden und helfen mit dabei, nicht nur meine weitere Reise zu finanzieren, sondern auch meine Hilfen zurückzuzahlen, welche ich von verschiedenen Menschen erhalten habe. Falls ihr also Interesse an meinen Bildern habt, kommt ihr über diesen Link hier auf meine Picfair Seite und könnt euch euer Lieblingsbild aussuchen.

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