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Begegnungen der besonderen Art

Ich habe schon viele Beiträge geschrieben über Situationen, in denen ich Menschen begegnet bin, die meine Leidenschaften oder Interessen teilen. Das letzte Jahr war bisher voller Begegnungen, Austausch und neuer Türen, die sich für mich hier in Japan öffneten.


Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich mich mit Elsa getroffen. Eine Französin, die seit 12 Jahren hier in Japan lebt und deren Weg nach und in Japan eher zur steinigen Sorte gehört. Sie ist eine Teeexpertin, musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen die Festanstellung an den Nagel hängen und führt jetzt private Touren in Uji, der Teestadt Japans, durch. Sie hat das Glück, mit einem Japaner verheiratet zu sein, was Probleme wie Visa oder Arbeitsbeschränkungen aus dem Weg räumt.


Wir hatten uns am 1.2. in einem Café in Uji zum Matcha-Kränzchen getroffen. Nachdem ich ihr mehrere Jahre auf Instagram gefolgt war, entstand auch in Personna sofort ein Gespräch auf Augenhöhe. Ich fühlte mich verstanden und gesehen, konnte meine Sorgen und Freuden teilen und erhielt Ratschläge und Informationen.


Nach einem kleinen Spaziergang am Uji-Fluss entlang führte sie mich zu einem kleinen Schrein, der dem lokalen Hasengott gewidmet ist. Kein gewöhnlicher Hase, wie ihr euch denken könnt. Es ist ein sogenannter "Mikaeri Usagi", ein wegweisender Hase.


Der Legende nach hatte sich ein Prinz in die Wälder von Uji verirrt und war, nach Tagen des Herumirrens, einem kleinen weißen Hasen begegnet. Der Hase sprach zu ihm und bot ihm an, ihn aus dem Wald herauszuführen. Er solle ihm einfach folgen. Dankbar nahm der Prinz das Angebot an, und der Hase geleitete ihn sicher aus den dichten Wäldern zurück in die Zivilisation. Zum Abschied verschwand der Hase in einem Lichtstrahl, und der Prinz erkannte, dass es kein gewöhnliches Tier war, sondern ein göttlicher Bote.

Seitdem gilt der Mikaeri Usagi als Symbol für Führung und Wegweisung, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit. Besucher des Schreins schreiben ihre Wünsche auf kleine Holztäfelchen oder ziehen ein Omikuji, ein Wahrsagungsorakel, das sie dann an den Hasen binden, in der Hoffnung, dass er sie auf den richtigen Weg führt.


Obwohl ich mich nicht in einem Wald verirrt hatte, fühlte ich mich in diesem Moment, inmitten all der Gedanken über meine Zukunft, verstanden. Vielleicht hatte mich mein eigener "Mokaeri Usagi" in Form von Elsa genau hierher geführt – zu einem Gespräch, das mir Orientierung und neue Perspektiven schenkte.



Machen wir einen kleinen Zeitsprung um Anfang letzter Woche, an dem ich eine Nachricht von Elsa erhielt, in der sie fragte, ob ich Interesse hätte, an einem Wagashi-Erlebnis teilzunehmen. Ein Bekannter von ihr hätte bei ihr angefragt, ob sie für die Bilder, die er für seine Webseite machen lassen wollte, Modell stehen würde. Er bräuchte insgesamt 2-3 Teilnehmer, die auch bereit wären, ihre Gesichter für die Werbung der Webseite zur Verfügung zu stellen. Da sie mein Interesse an Matcha und Wagashi kennt, hatte ich prompt eine Nachricht von ihr im Postfach.


Natürlich sagte ich sofort zu. Nicht nur, weil ich mal wieder Wagashi herstellen wollte, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass dies eine weitere Tür sein würde, die mich mit einer selbstbestimmten Zukunft in Japan verbindet. Und so sollte es am Ende auch sein.


Ich traf mich mit ihr vor dem Laden, und wir waren beide überrascht, dass es sich im ersten Stock um einen Blumenladen handelte. Wir fragten höflich nach und wurden in den dritten Stock weitergeleitet. Eine schmale Wendeltreppe ging es hinauf, gesäumt von Regalen mit Teezeremonie-Untensilien und Trockenblumen. Es hatte etwas vom wandelnden Schloss, bevor Sophie alles sauber machte.


Wir werden von Gelächter empfangen und ich fühle mich sofort wohl. Alle Beteiligten waren ungefähr in meinem Alter oder etwas älter, freundlich und aufgeschlossen. Wir stellten uns kurz vor, klärten den Ablauf und die Art der Fotos, die gemacht werden sollen, und dann ging es auch schon los. Unter Anleitung von Masato-san, dem Wagashi-Konfektionisten, formten wir Kirschblüten aus Zuckermasse, lachten und genossen die Erfahrung. Danach erhielten wir noch die Möglichkeit, Matcha zuzubereiten, und konnten beide unsere Fähigkeiten in der Teezeremonie kurz zur Schau stellen, was uns Komplimente und noch mehr Stoff zum Austausch und Reden brachte. Als alle Bilder gemacht, der Tee getrunken und die Süßigkeiten gegessen waren, tauschten wir Visitenkarten, Informationen und Ideen aus. Nicht nur habe ich ein paar wundervolle Stunden mit einer Freundin und gutem Tee gehabt, nein, ich habe neue Kontakte in der Eventwelt des Tourismus und der Workshops erhalten. Ich habe die Möglichkeit, nun einen Tatami-Raum für meine Zwecke zu mieten, der sich im Zentrum Kyotos befindet. Ich habe eine Fotografin kennengelernt, die als Touristenführerin in Kyoto arbeitet und großes Interesse an internationalen Touren, Kimonoerlebnissen und Teezeremonien hat. Ich habe eine weitere Sado-Lernende (Teezeremonie) kennengelernt, die Interesse bekundet hat, dass man gern zusammen ein paar Events ausrichten könnte.



Tage, Begegnungen und Momente wie diese bestärken mich in meinem Vorhaben, mir hier in Japan, in Kyoto, Nara, allgemein in der Kansai-Region, eine Basis aufzubauen. Selbstbestimmt meinen Lebensunterhalt verdienen, zusammen mit Menschen arbeiten, die die japanische Kultur teilen und am Leben erhalten wollen. Frei über meine Zeit entscheiden und das machen, worauf ich Lust habe und wo ich Potenzial und Wachstum sehe. Dass es nicht einfach wird, steht auf einem ganz anderen Blatt Papier. Dass ich damit ein großes Risiko eingehe, dass ich vielleicht scheitere, dass ich keine Kunden finde....


Aber genau dafür lerne ich gerade Kontakte zu knüpfen, Chancen wahrzunehmen und den Weg frei zu machen. Mich selbst von alten Glaubenssätzen, limitierenden Gedanken und Energien frei zu machen, die mich daran hindern, voranzuschreiten. Denn ich kann mir gewiss sein, dass, wenn ich nicht weiter weiß oder nicht weiter komme, dann ein kleiner, weißer Hase auftauchen wird und mir, wie damals, den Weg zeigt.



 
 
 

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