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Lebensupdate 2026 – und was ihr auf Instagram nicht seht

11. Okt.
6 Min. Lesezeit

Ihr Lieben....


Es gibt so viel zu erzählen. XD Eigentlich wollte ich dieses Jahr nach Australien.


Wer meinen letzten Lebensupdate gelesen hat, erinnert sich vielleicht daran. Noch einmal losziehen, arbeiten, neue Menschen kennenlernen und herausfinden, wie es danach weitergeht. Japan sollte mein Zuhause bleiben, aber dazwischen wollte ich mir die Freiheit nehmen, auch etwas anderes zu erleben...



Jetzt ist Oktober. Ich lebe mit meinem Freund in Sakurai, bin selbstständig, renoviere ein altes Haus in Uda und habe inzwischen mehr japanische Behördenformulare ausgefüllt, als ich zählen möchte.


Australien ist es also nicht geworden.

Dafür ist ziemlich viel anderes passiert. Schönes, Aufregendes und einiges, das ich mir vorher deutlich einfacher vorgestellt hatte.


Wenn ihr mir auf Instagram folgt, habt ihr davon sicher schon Ausschnitte gesehen. Aber zwischen den Bildern fehlt oft die Zeit, euch zu erzählen, wie es mir damit eigentlich geht.


Ein Haus, eine Beziehung und ziemlich viele Pläne


Anfang des Jahres war ich frisch verliebt und voller Ideen. Im Januar durfte ich besondere Abläufe im Teeweg lernen, auf die ich mich sehr gefreut hatte. Auch beim Kyūdō wollte ich weiterkommen: Im Februar nahm ich an einem Turnier teil, im März stand die nächste Prüfung an.



Seit Februar arbeite ich außerdem einige Abende pro Woche in einem kleinen Gasthaus in Uda. Eine zusätzliche Einnahme, neue Erfahrungen und Menschen, von denen ich lernen kann. Gleichzeitig bedeutet es, nach einem Tag am Haus oder mit Terminen noch einmal zur Arbeit zu fahren. Fünf Stunden können sich dann ziemlich lang anfühlen.

Das Kominka war nämlich weiterhin eine Baustelle. Der Küchenboden wurde entfernt, in einem der Nordzimmer nahm ich die Decke heraus und legten die alten Balken frei. Natürlich freue ich mich über solche Veränderungen. Genau diese Dinge liebe ich an alten japanischen Häusern.

Aber sobald etwas offenliegt, muss man auch entscheiden, wie es weitergeht. Welcher Bodenaufbau ist sinnvoll? Wie gehen wir mit der Feuchtigkeit um? Was lässt sich erhalten und was muss ersetzt werden? Und vor allem:


Was kostet das alles?


Ich wollte möglichst viel selbst machen und natürliche Materialien verwenden. Trotzdem kann ich nicht alles allein lösen. Ich muss recherchieren, nachfragen und Entscheidungen treffen, deren Folgen ich nicht immer sofort abschätzen kann. Das ist manchmal wesentlich anstrengender als die eigentliche Arbeit.

Im Frühjahr suchten Takumi und ich zusätzlich eine gemeinsame Wohnung. Da wir beide selbstständig waren und keinen klassischen Arbeitsvertrag vorweisen konnten, war das mit den nötigen Nachweisen nicht ganz einfach. Dazu kamen Bürgschaft, Notfallkontakt und andere Hindernisse.


Im April konnten wir schließlich zusammenziehen.

Darüber bin ich sehr glücklich. Es ist schön, einen gemeinsamen Alltag zu haben und nicht mehr immer allein nach Hause zu kommen. Wobei „Alltag“ bei uns manchmal hauptsächlich bedeutet, herauszufinden, wann wir überhaupt gleichzeitig zu Hause sind.

Zwischen Sakurai, Shimokasama, meiner Arbeit und Terminen in Kyoto bin ich viel unterwegs. Irgendetwas befindet sich zuverlässig im falschen Haus. Meistens merke ich das erst, wenn ich es brauche.



Selbstständig – aber noch lange nicht unabhängig


Im Mai war ich für einige Wochen in Deutschland. Familie und Freunde wiederzusehen, tat gut. Ganz aufgehört zu arbeiten habe ich dort allerdings auch nicht.

Am 2. Juni stellte ich meine selbstständige Tätigkeit unter dem Namen Mikami Kōan – 三上香庵 vor. Private Teezeremonien, Spaziergänge durch Miwa, Kimono-Erlebnisse, Sake-Verkostungen und individuelle Touren durch Nara und Kyoto.

(Warum das aktuell eine neue Herausforderung ist, erzähle ich in einem gesonderten Beitrag.)


Endlich konnte ich vieles verbinden, womit ich mich seit Jahren beschäftige.

Was ich dabei immer wieder merke: Etwas gern und gut zu machen, bedeutet nicht automatisch, dass man davon leben kann.


Davor stehen Webseiten, Programme, Preise, Versicherungen, Buchungsbedingungen und sehr viele E-Mails. Ich schrieb Reiseveranstalter an, stellte meine Angebote vor und arbeitete Vorschläge aus. Manche antworteten nicht. Andere fanden die Ideen interessant, hatten aber keinen Bedarf. Ich schrieb nach, änderte Angebote und bekam teilweise trotzdem wieder eine Absage.


Natürlich weiß ich, dass das dazugehört. Trotzdem fragt man sich irgendwann, wie viel Zeit man noch investieren kann, ohne dass daraus ein bezahlter Auftrag entsteht.

Im Juli kam dann das erste Gespräch mit Japanista. Meine Unterlagen, Videos und Ideen wurden positiv aufgenommen. Daraus entwickelten sich neue Möglichkeiten, auch für längere Gruppenreisen.


Im August waren außerdem die ersten Gäste für zehn Tage im Haus. Nach all der Arbeit war es ein besonderes Gefühl, dort gemeinsam zu frühstücken und ihnen die Umgebung zu zeigen.


Für mich bedeutete das allerdings auch, Fahrten, Ausflüge und Tagesabläufe zu organisieren, während andere Termine weiterliefen. Auf den Fotos sah das nach Urlaub aus.

Für meine Gäste war es das auch.

Für mich war es schön, aber eben Arbeit.


Ende September durfte ich schließlich bei einer Hauser-Reise hospitieren. Ich war nervös und wollte gleichzeitig möglichst viel lernen: Wie plant man solche Tage? Was brauchen die Gäste? Was passiert, wenn etwas anders läuft als gedacht?


Danach konnte ich mir diese Arbeit noch besser vorstellen. Im November werde ich (hoffentlich) meine erste eigene Tour begleiten. Darauf freue ich mich sehr – auch wenn ich schon jetzt weiß, dass ich vorher noch einiges vorbereiten muss.




Der Antrag ist abgeschickt. Fertig bin ich trotzdem nicht.


Parallel dazu lief die Minpaku-Anmeldung. ( Minpaku = Gästehaus)

Ich hatte mit Papierkram gerechnet. Nicht damit, wie viel Zeit allein dafür nötig sein würde, herauszufinden, welches Dokument ich woher bekomme und wie es ausgefüllt werden muss.


Gesundheitsamt, Feuerwehr, Grundbuchamt, Notar, Versicherungen und Onlineportale. Flächen berechnen, Grundrisse anpassen, Rauchmelder eintragen.

Aus zunächst angenommenen 28 Quadratmetern Gästefläche wurden am Ende 30. Die Feuerwehr kam zum Haus, sah sich die Räume an und nahm es ab.


Dann waren Dateien zu groß.

Formulare akzeptierten bestimmte Zeichen nicht.

Unterlagen durften nicht älter als drei Monate sein.


Am 19. September konnte ich die Anmeldung endlich abschicken, nachdem das letzte Zertifikat der Feuerwehr angekommen war. Ich war unglaublich erleichtert.

Abgeschlossen ist das Verfahren trotzdem noch nicht. Das Haus ist weiterhin nicht offiziell als Minpaku zugelassen. Familie und Freunde werde ich natürlich weiterhin beherbergen. Ende Oktober kommen Freunde aus Deutschland für eine Woche, worauf ich mich schon sehr freue. Schließlich ist das Haus auch mein Zuhause und nicht nur ein zukünftiges berufliches Projekt.



Erfolgreich aussehen und sich sicher fühlen sind zwei verschiedene Dinge


Neben dem ganzen Fortschritt im realen Leben hat sich auch auf Instagram einiges getan. Mein letztes Renovierungsreel erreichte plötzlich viel mehr Menschen als sonst. Darüber habe ich mich gefreut. Mehr Menschen entdecken mein Haus und vielleicht auch meine Angebote.


Gleichzeitig kamen Kommentare von Leuten, die anhand eines kurzen Videos ziemlich genau zu wissen glaubten, was ich falsch mache.

Sachliche Kritik lese ich und denke darüber nach. Aber Unterstellungen, Rassismus und Spott sind etwas anderes. Einige Kommentare habe ich gelöscht. Ich möchte meine Arbeit zeigen und mich austauschen, nicht jede Respektlosigkeit auf meiner Seite stehen lassen müssen.


Dabei beschäftigt mich im Moment ohnehin genug.


Meine Einnahmen sind noch unregelmäßig, die laufenden Kosten nicht. In den vergangenen Wochen habe ich mich öfter gefragt, wie lange ich mir diese Aufbauphase leisten kann. Ob ich zu viel auf einmal versuche. Und wann aus all der Vorarbeit endlich genügend bezahlte Arbeit wird.


Ich möchte meiner Familie und meinem Partner nicht zur Last fallen. Trotzdem muss ich lernen, dass Unterstützung anzunehmen nicht bedeutet, versagt zu haben.

Auch mein Körper macht nicht immer mit. Die Übelkeit am Morgen, Kreislaufprobleme und zuletzt die Erkältung lassen sich nicht einfach zwischen zwei Termine schieben.


Manchmal muss ich etwas absagen, obwohl ich mich darauf gefreut habe. Und manchmal merke ich erst hinterher, dass ich besser früher aufgehört hätte.


Das ist der Teil, den ihr auf Instagram selten seht.


Aber, was wir nicht vergessen sollten:


Ich bin glücklich hier.


Ich bin nicht jeden Tag entspannt, finanziell abgesichert oder überzeugt davon, alles richtig zu machen, aber ich bin glücklich.


Deshalb versuche ich, mehrere Standbeine aufzubauen: Kulturangebote, Übersetzungen, private Touren, Reiseleitung und später die Vermietung des Hauses. Ich lerne Menschen aus der Reisebranche kennen, frage nach Möglichkeiten und stelle mich vor. Nicht jedes Gespräch wird zu einem Auftrag. Aber ich möchte auch nicht einfach warten.


Im November steht hoffentlich meine erste geführte Reise an, Ende November und Anfang Dezember geht es wieder nach Deutschland, wo ich Teezeremonien anbieten möchte.


Es passiert also weiterhin viel.



Wenn ich dieses Jahr bisher zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Ich habe vieles begonnen, einiges geschafft und noch sehr viel offen.

Ich bin stolz auf das, was entstanden ist. Gleichzeitig bin ich müde und mache mir Sorgen. Das widerspricht sich für mich nicht.


Ich wollte euch das erzählen, weil ein schönes Bild schnell den Eindruck vermittelt, bei jemand anderem würde alles einfach funktionieren.


Bei mir funktioniert vieles nur, weil ich nachfrage, nachbessere, Hilfe bekomme und es noch einmal versuche. Und manchmal funktioniert es eben auch nicht.

Japan ist weiterhin der Ort, an dem ich leben möchte. Daran hat dieses anstrengende Jahr bisher nichts geändert. Ich wünsche mir nur, dass mein Alltag irgendwann nicht mehr ganz so viel Improvisation braucht.

Bis dahin gibt es hier vermutlich noch ein paar Lebensupdates. Und hoffentlich irgendwann auch die Nachricht, dass diese Minpaku-Anmeldung endlich abgeschlossen ist.




 
 
 

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